Chronik der

Schützengesellschaft

Waldeslust Netterndorf

 

    Am heiligen Abend 1911 gründeten etwa 15 Männer im damaligen Klinglwirt die "Schützengesellschaft Baiern" und wählten auch gleich die erste Vorstandschaft:

    1. Schützenmeister:    Josef Bell, Großesterndorf

    1. Kassier:    Josef Voglrieder, Netterndorf

    1. Schriftführer:    Kaspar Heller, Engerling

    1912 zählte der Verein schon etwa 25 Mitglieder, die unter einem Lehrer Reiter bei einer Christbaumversteigerung 63,50 Reichsmark einnahmen und im gleichen Jahr in einen Zimmerstutzen investierten. Der erste Weltkrieg setzte auch dem noch jungen Verein zu und so wurde erst im Oktober 1919 wieder friedlich zu den Waffen gegriffen. Aus der Zeit zwischen den Kriegen sind so gut wie keine Dokumente erhalten, so dass erst 1952 wieder mit einer neuen Vorstandschaft ein Schriftführereintrag erfolgt. Erster Schützenmeister war damals Kaspar Spiel (Lindra Kaspar) aus Lindach, später Alois Sedlmaier (Frum Luis) und Hans Schweiger (Eder Hans) aus Kulbing.

    1956 trat der Verein dem Schützengau Ebersberg bei und seit 1962 steuert er eine Mannschaft bei den Rundenwettkämpfen bei. 1959 wurde mit Georg Kaltner, Sepp Voglrieder und Kaspar Heller eine Vorstandschaft gewählt, die uns bis 1975 in unveränderter Besetzung entscheidend voranbrachte. Bis in die siebziger Jahre wurde in Netterndorf in der Gaststube hinter Spanplatten an drei Ständen direkt neben den Gästen auf Zielscheiben im damaligen Nebenzimmer geschossen. Später konnten wir im Saal an vier Ständen schießen, bevor 1985 in Eigenregie unter Leitung von Sportleiter Jakob Greithanner ein neuer Schießstand für fünf Schützen im Dachgeschoss entstand. Im gleichen Jahr wurde eine Jugendmannschaft ins Leben gerufen.

    Am 4. September 1999 verstarb unser Ehrenschützenmeister Georg Kaltner. Wir werden immer in Erinnerung behalten, was er für den Verein geleistet hat. Unter anderem geht auf seine Iniative die mittlerweile schon alte Tradition zurück, dass bei der Jahreshauptversammlung von der Brauerei Maxlrain eine Mass Freibier spendiert wird.

    Ende des letzten Jahrtausends wurde die Anschaffung einer Vereinsfahne oder -Standarte ins Auge gefasst, die beim 90jährigen Gründungsfest 2001 geweiht werden sollte. Bei einer außerordentlichen Versammlung im März 2000 wurde zu Gunsten einer Standarte abgestimmt. Im Mai des gleichen Jahres trugen die Bemühungen vom Maurer Franz und der restlichen Vorstandschaft Früchte, dem Verein den Status des eingetragenen Vereins zu verleihen. Nach längerem Schriftwechsel mit dem Amtsgericht wurden wir am 18. Mai 2000 ins Vereinsregister eingetragen. Hierzu waren noch eine außerordentliche Gründungsversammlung und eine Jugendversammlung notwendig. Also ein versammlungsreiches Jahr.

    Da man für ein Gründungsfest mit Standartenweihe meistens einen Paten braucht wurde eine Mannschaft aus Schützen und Bairer Musi im November in Kleinhöhenrain vorstellig, um dort das entsprechende Ansinnen vorzutragen. Nach längerer Diskussion und fünf mal Suppe, Schweinshaxen, Nachspeis, Schnaps, Bier und dicken Zigarren hatten unsere Nachbarn ein Einsehen und wir einen "Geed".

    Um unser Fest und die Standarte finanzieren zu können, musste am 29. Dezember 2000 ein Christbaum und die darunter liegenden Spenden versteigert werden. Dies gelang Bernhard Sedlmaier in unnachahmlicher Art und Weise.

 

Schützengesellschaft Netterndorf im September 2000

90jähriges Gründungsfest mit Standartenweihe im Mai 2001

    Nach dem Totengedenken am damals nagelneuen Missionskreuz zogen wir hinter der Bairer Musi zur Frumhalle, wo die Seil Buam zum Feuerwehr- und Schützenball aufspielten (einer ihrer letzten Auftritte). Am Festsonntag, den 20. Mai 2001, marschierten hinter der Höhenrainer Musi abwechselnd Schützen, Feuerwehrler und alle Ortsvereine zum alten Turm, wo Kurat Hans Prechsl den Festgottesdienst und die Fahnenweihe bei herrlichem Wetter würdig und lebendig zelebrierte. Den Festzug führte die hauseigene Blaskapelle an, gefolgt von der frisch geweihten Standarte und uns als Festverein zurück zur Frumhalle. Die Halle war mit gut 1000 Besuchern gut gefüllt, da unsere Feuerwehr von ihren Kollegen zu ihrem 125. Gründungsfest, das wir gemeinsam feierten, ebenfalls überaus gut besucht wurde. Nach dem Überreichen der Ehrengaben wurde die Festgemeinde noch bis in den Abend von der Bairer Musi unterhalten, sofern sie an der 30 Meter langen Bar noch etwas davon mitbekamen. Zum Festabschluss gab es ein ausgezeichnetes Kesselfleisch aus dem Hause Stürzer zu Klängen der Schönauer Musi.

    Im Jahr 2002 gabelte Hans Greithanner in der Regensburger Gegend zufällig den Schützenverein "Waldesrand Baiern" auf, der wie wir im Jahr 1911 gegründet wurde.

    Am 11. Oktober 2005 verstarb unser langjähriger Kassier Sepp Voglrieder. Unsere Standarte begleitete ihn auf seinem letzten Erdenweg.

    Seit 2007 können unsere jungen Schützen mit zwei speziellen Jugendgewehren auf Teilerjagd gehen. Sie (die Gewehre) werden von Stefan Kaltner beim Glonner Schützenverein mit Druckluft versorgt.

    Am 23. Oktober 2007 gab 1. SM (Schützenmeister, vereinsintern Seine Majestät) sein Amt unwiderruflich ab. Bei der Neuwahl wurde Leo Pößl einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt. Ebenso wurden die Ämter vom Kassier und Schriftführer neu vergeben. Kassier wurde Thomas Jungsberger, Schriftführer Lorenz Neuner löste nach 23 Jahren Irmgard Traeger ab, die aber seine zweite Kraft bleibt.

    Sechs der acht Schützenvereine in der VG Glonn (SG Berganger-Rohrsdorf, SV  Frohsinn Egmating, FSG Glonn-Zinneberg, SG Königseiche Moosach, Bussardschützen Oberpframmern und SG Waldeslust Netterndorf) trafen sich am Samstag den 5. April in Netterndorf, um dem Wanderpokal ein neues Ziel zu weisen; dabei musste jeder Verein voraussagen, wie viel die Summe seiner besten fünf Teiler ergeben wird. Dabei erwiesen wir Gastgeber uns als die besten Hellseher indem die Teilervorgabe von 353 nur um 11 Teiler unterschritten wurde. Dass alle Vereine ihre Treffer sehr genau voraussagen konnten beweist der Nachbarverein aus Berganger, der seine Vorgabe von 553 um lediglich 87,6 Teiler unterbot und trotz dieser sehr guten Schätzung am unteren Ende der Tabelle landete. Der mehr oder weniger ansehnliche Pokal blieb somit gleich an Ort und Stelle. Bei der gemütlichen Preisverteilung am Abend wurden auch Thomas Raith aus Oberpframmern für den besten Teiler (22,6) und Claudia Hartl von der FSG Glonn für 98 (!) Ringe mit jeweils einem Pokal ausgezeichnet, den sie aber behalten durften.

    Erstmals wurde bei der Versammlung 2009 das in zwei Jahren bevorstehende 100jährige Jubiläum angeschnitten und man war sich ziemlich schnell einig, dass es ein kleines Festl mit den umliegenden Vereinen und den Ortsvereinen werden würde. Im Folgejahr durften wir erleben, wie unsere Hausbrauerei Maxlrain das beliebte Malzgetränk herstellt und abfüllt. Seit einer Vorstandssitzung können wir auch eigene Hemdriegel vor uns hertragen, die seit der Versammlung im Oktober 2010 auch von Marketenderinnen (Lindra Kathi) flankiert werden. Erstmals gab es auf Drängen des Schriftführers richtige Schokoladennikoläuse (Keine Weihnachtskasperl) beim Nikolausschießen zu gewinnen. Die Ayinger Brauerei, die unser Fest auch beliefert, durfte im Februar 2011 zeigen, was sie kann.

 

SG Netterndorf im März 2011

    Am Bittgang zum Frauenbründl Anfang Mai 2011 nahmen an die hundert Vereinsmitglieder teil. Unser Pfarrer Prechsl hielt eine kurze Andacht und der Kirchenchor trug ebenfalls seinen Teil dazu bei.

    Am 20. Mai 2011 durften wir nach einer Woche Hallenvorbereitung und einem gehörigen Gewitterschauer über 400 Gäste beim Weinfest in der Voglhalle in Engerling begrüßen, die von den Moskitos aufs Beste unterhalten wurden. Die gute Laune vom Freitag hielt anscheinend bei allen Besuchern nahtlos bis in den Sonntag an, an dem morgens um sieben erst der Schützenmeister und dann der Bürgermeister musikalisch aus den Träumen gerissen wurden. Nach einer kurzen Stärkungspause konnten wir schon die ersten Gastvereine willkommen heißen. Pünktlich um halb zehn setzte sich bei herrlichem Frühlingswetter der farbenprächtige Kirchenzug Richtung Osl Obstgarten in Bewegung, wo schon Pfarrer Schöpf und Pfarrer Prechsl samt Ministranten und Kirchendienst bereit standen. Die Geistlichen zelebrierten einen feierlichen und kurzweiligen Festgottesdienst, der von der hauseigenen Musikkapelle und dem Kirchenchor würdig gestaltet wurde. Nach dem gemeinsamen Festzug durch Netterndorf ließen beide Blaskapellen (Baiern und Höhenrain) gemeinsam die Bayernhymne erklingen bevor Gauschützenmeister, Landrat und Bürgermeister ihre Begrüßungsreden und Glückwünsche an den Mann oder die Frau brachten. Nach dem hervorragenden Mittagessen verteilte Leo Pößl die Erinnerungsgaben (Holzteller mit geschliffenem Spiegel in der Mitte) an unsere Gäste, die noch bis in den späten Abend in und vor der Halle den warmen Sonntag genossen. Auch zum Kesselfleischessen am Montag kamen so viele Hungrige, dass die Stoaberger Musikanten vor vollem Haus spielen konnten.

    Zwei Wochen später lud die Schützengesellschaft Holzham zu ihrem 175jährigen Jubiläum ein. Unsere Freunde aus dem Glonntal hatten weniger Glück mit dem Wetter, das Totengedenken musste man kurzerhand im Zelt als Rosenkranz verlegen, da sonst alle tropfnass ins Zelt gekommen wären. Bei deren anschließendem Festabend war gegen Ende "Tirol 1809" von der Bairer Musi zu hören, das von den Bergangerer Böllerschützen akustisch gewürzt wurde. Auch der Festzug am Sonntag nahm eine Abkürzung, da nach ein paar hundert Metern heftiger Regen einsetzte.

    Seit 28. Mai 2012 können wir wieder einen Ehrenvorstand in unseren Reihen ausmachen, an seinem 60. Geburtstag wurde Franz Greithanner diese Ehre zuteil. Bei der Hauptversammlung des gleichen Jahres ließ er es sich nicht nehmen, ein kleines Resumèe über seine Zeit als Schützenmeister zu halten und anschließend die Zeche, die über das von der Brauerei Maxlrain traditionell gestiftete Freibier hinausging, zu übernehmen.

     Mit der Einführung des Dienstags als ganztägiger Ruhetag in unserem Vereinslokal wurde im ersten Jahr der Freitag, dann aufgrund mangelnder Beteiligung der Mittwoch als Schießtag bestimmt.

     Im Mai 2014 feierte unsere Bairer Musi im Mai ihren 175ten Geburtstag und im Juni 2015 die Bergschützen aus Kleinhöhenrain ihr 220jähriges Jubiläum. Selbstverständlich waren wir mit  allen verfügbaren Schützen dabei.

    Tief getroffen hat uns die Nachricht, dass unser Ehrenschützenmeister Franz Greithanner am 22. April 2016 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Wir werden ihn, seine Humor und die Anstrengungen, die er für "seinen" Verein geleistet hat in dankbarer Erinnerung behalten. Da im gleichen Jahr sein nicht minder engagierter Bruder Jakob seinen 60. Geburtstag feiern konnte wurde ihm aus diesem Anlass die Ehrenmitgliedschaft übertragen.